grün durch alle fenster" (Reiner Kunze), Gottesgedichte
Ich wünsche ihn mir sehr, diesen Wind, der einmal unversehens durchs Tor tritt, durch die vielen verschlossenen Türen und Herzen, auch mein eigenes. Den Wind, der verhärtete Strukturen endlich aufbricht, das Tor der Selbstgefälligkeit und Arroganz. Den Wind, der uns Kraft gibt und Stärke, unsere Augen nach vorne zu wenden und den Blick zurück hinter sich zu lassen. Wie tröstlich, dass Gott die Verbindung sucht und Beziehung -immer- und selbst da, wo wir es längst nicht mehr vermuten. Gott, im Kuh- und Schafstall, in der Düsternis unseres Alltags genauso wie in den Sternstunden.
Nur: Wir fühlen Dich nicht immer - wir haben oft das Gespür für Dich verloren - auch wenn aus hölzernen Rinnen in unser vertrocknendes Ich Dein Regenstrahl fällt.
Gott - ich bitte Dich
für uns und für mich - lass Deine Antwort wachsen - grün - durch all unsere Lebensfenster - gerade jenen - die Dich verloren haben - auch wenn Dein Wort - blutet aus allen Wunden - das vergewaltigt wird - noch und noch.
Hilf uns
immer wieder - die Finger in die Herzen der Menschen zu legen - in ihre geöffnete Seite - dass wir Träumer sind und bleiben und dennoch kühl verschlossene Türen aus den Angeln heben
beflügelt von dem Wort Mascha Kalekos: Wer Du auch seist, nur eines - sei es ganz.
"Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und macht groß, die, die als niedrig gelten.“
So heißt es im Evangelium des Tages mit den Worten im Lied des schlichten und einfachen, jüdischen Mädchen Maria, dem Lobpreis der Größe Gottes, der Kleines ganz groß macht.
Nicht Fürsten, Mächtige, Ämter und Strukturen im Mittelpunkt der Geschichte Gottes mit den Menschen, sondern all die, die im Leben zu kurz kommen. Das gilt damals wie heute und genau deshalb lesen wir die Texte der Bibel heute als Wort Gottes für uns und unser Leben, nicht nur im Rückblick darauf, was einst geschah.
Das Kind, das Maria verheißen ist, ist kein angepasster und pflegeleichter Zeitgenosse. Er stellt Strukturen und Traditionen grundsätzlich infrage. Er stellt sich personal dem „es war schon immer so“ mutig entgegen und zahlt dafür den höchsten Preis, den ein Mensch zu opfern imstande ist: sein Leben. Jesus ist nicht nur sanftmütig und pastoral einfühlsam, charismatisch, sondern in bestimmten Situationen, wenn es drauf ankommt, außerordentlich klar und entschieden. Er setzt bisweilen sehr deutliche Grenzen und wird, wenn nötig, sogar handgreiflich, wie das Beispiel der Tempelreinigung eindrucksvoll zeigt. Jesus redet und predigt nicht nur vom Reich Gottes, er gibt im Gestalt und zwar in genau der Weise, in welcher er mit den Menschen umgeht. Sein Dialog bezieht sich mehr auf Augen und Herzen. Er schaut den Menschen, die auf der Suche sind, in Herz und weiß, was sie brauchen und wonach sie sich sehnen.
Heute, bin ich mir sicher, hätte Jesus wenig Chancen in Anbetracht vielerlei Strukturen unserer Tage … als jüdischer Rabbi, mit nicht orthodoxen Anschauungen und Positionen, seinem Hang zur Ungequemheit und Infragestellung des Systems … sein Scheitern wäre geradezu vorprogrammiert.
Mir gibt es persönlich Kraft, ihn, Jesus, an meiner Seite zu wissen.
Mich tröstet die Hoffnung, von seinen Gaben so reich beschenkt zu werden.
Mögen wir uns heute und morgen getragen fühlen von seinem machtvollen und einfühlsamen Arm.- (M.S.) ________________________________________________
„Du führst mich hinaus ins Weite, Du machst meine Finsternis hell“. So spricht der 18. Psalm in unsere Herzen. Jedem, der sein Inneres schon einmal wie von Ketten umschlossen fühlte, dem Ereignisse im Leben die Luft zum Atmen zu nehmen drohten, den die Dunkelheit gefangen hielt, den rührt dieser Zuspruch Gottes vielleicht an. Gerade dann, wenn ich nichts oder nur mich und meine (fatale) Situation sehe, dann komme ich aus diesem inneren Gefängnis nur dann heraus, wenn ich meinen Blick weite, wenn ich mein Leben als Gesamtes in den Blick nehme mit all seinen Höhen und Tiefen, wenn ich mich auf die Suche nach Spuren mache, in welchen ich eine Begegnung mit Gott vermuten darf. Wo stünde ich (vielleicht) heute, wenn ich an bestimmten Wegmarken meines Lebens nicht den Blick auf Anderes und andere Menschen gerichtet hätte? Was wäre wohl mit mir geschehen, wenn mich die Finsternis dauerhaft umfangen hätte?
Sicher sind das individuelle Interpretationen und Deutungen, die sehr persönlicher Natur sind.
Wir bekommen dieseits keine verallgemeinerungsfähige Bestätigung dieser Erfahrungen, die wir Gott zurechnen. Aber ist es nicht mit vielerlei unserer Erfahrungen so? Dass mich mein Partner und meine Kinder unbedingt lieben und annehmen, trotz und vielleicht auch gerade wegen meiner Fehler und Schwächen, dafür kann ich keinen „Beweis“ anführen, aber doch immerhin glaubhafte Deutungen. Und diese, finde ich, sind nicht weniger real, weil wir darauf unser weiteres Leben aufbauen. Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Gespür für Ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Glaubhaftem und Glaubwürdigem in Ihrem Leben.- (M.S.) ______________________________________________
Kirche der Zukunft muss lernen ...
... nicht mehr allein vom Priester her zu denken!
... in Ruf- und Reichweite zu sein und Heimat zu bieten, z.B. in Gruppen, die sich zum Bibelteilen treffen!
... den Laien mehr zu vertrauen!
... die Gemeinden zu befähigen, sich selbst zu organisieren, d.h. drei spirituell erfahrene Menschen sollten lokal anfangen, ihr in der Taufe verliehenes Charisma zum Wohl der Gemeinde einzusetzen!
... Menschen nach ihrer Berufung zu fragen und diese entsprechend wertzuschätzen!
Nach: Paul Michael Zulehner
Brot in Deiner Hand (SoMoMa 06/2010
Der Kirchentag in München ist zu Ende. Alles geht wieder seinen gewohntenGang. Ob den Worten Taten folgen werden? Viele Menschen, gerade evangelisch-katholische Paare warten seit Jahren vergeblich auf ein positives Signal zurAbendmahlsgemeinschaft. Vergeblich, so scheint es. Warum ist die Kommunion, dasEssen von Brot (und das Trinken von Wein) für Christen so wichtig und eben mehrals Essen und Trinken? In Frankreich, so erzählt eine Geschichte, teilt einalter Bäcker mit den Menschen Brot, die in seinen Laden kommen, und ihre Sorgenund Nöte, die Brüche ihres Lebens, mit ihm teilen. Er ist ein spaßiger Kerl,aber er hat, wie die Leute sagen, einen Tick. Er legt ihnen das Brot in dieHand, mehr noch, ins Herz, und entschärft damit das Bedrückende, dieAggression, die Enttäuschung der Menschen, die ihn in seinem Laden aufsuchen. Es geschieht Verwandlung. Das ist es, wasdie Kommunion, das Essen von Brot im Gottesdienst so wichtig, so unersetzlichmacht: Menschen hoffen auf Veränderung, Verwandlung von Heillosem in Versöhntesin ihrem Leben. Es wäre schön, endlich geeint im Brot die grenzenlose Liebespüren zu können, die Verhärtungen aufbrechen und Heilsames stiften kann.
Markus Stutzenberger, Ital.-Kath. Gemeinde Darmstadt
_________________________ Möge die göttliche Segenskraft uns durchfließen wie ein mächtiger Strom. Sie durchfließe unseren Leib, unsere Seele, unseren Geist, alle Orte unseres Lebens, alle Zeiten dieser Welt. Möge sie durch uns weiter fließen zu den Bedürftigen. Mögen wir alle gesegnet sein.
Brigitte Enzner-Probst
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Er liebt die Phantasie
der große bunte Vogel ist der heilige geist er ist nicht schwarz er ist nicht blau er ist nicht rot er ist nicht gelb er ist nicht weiß der heilige geist ist ein bunter vogel er ist da wo einer den andern trägt der evangelische pastor den katholischen die katholische gemeinde die evangelische der katholische ehemann seine evangelische ehefrau usw. der heilige geist ist da wo die welt bunt ist wo das denken bunt ist wo das denken und reden und leben gut ist der heilige geist lässt sich nicht einsperren in katholische käfige nicht in evangelische käfige der heilige geist ist auch kein papagei der nachplappert was ihm vorgekaut wird auch keine dogmatische walze die alles platt walzt der heilige geist ist spontan er ist bunt sehr bunt und er duldet keine uniformen er liebt die phantasie er liebt das unberechenbare er ist selbst unberechenbar
W.Willms
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Worte der deutschen Literatur-Nobelpreisträgerin 2009 Herta Müller
"Ich kann mich nicht wegschleichen und will mich nicht täuschen sondern das ertragen was ich sehe" Herta Müller bei der Entgegennahme des Kleist-Preises